Straße Norwegen in Wald bei mystischen Nebel
Diary

Der Anfang ohne Grund

Warum  es manchmal der beste Grund ist, keinen Grund zu haben, um endlich seinen Traum zu verwirklichen.

Die Idee

Seit bestimmt einem Jahr träume ich davon, einen eigenen Blog zu haben. Etwas Eigenes ganz alleine aufzubauen auf, das man voller Stolz blicken kann. Etwas zu haben, durch das man all seine Gedanken festhalten kann und das mir die Möglichkeit zum Schreiben gibt. Doch so Einiges hinderte mich daran einfach direkt mit dem Bloggen anzufangen.

Der Grund

Was ist mein Grund mit dem Schreiben anzufangen?

Dieser Grund stand für mich immer im Mittelpunkt. Ich brauchte einen Grund, der mir die Berechtigung geben würde, loszulegen.

So schaute ich erwartungsvoll auf den Tag, an dem die Schule für immer vorbei sein würde. Schule, die meine letzten zwölf Jahre bestimmt und nur wenig Raum für eigene Interessen gelassen hatte. Doch ab diesem Tag, so dachte ich, wäre ich frei. Frei, mit meinem Leben auch immer zu tun, was ich wollte. Und meiner Fantasie waren keine Grenzen gesetzt. Ich malte mir ein Jahr im Ausland aus, das vor mir liegen würde. Ich würde mir meine eigene Rundreise durch Europa planen. Ohne Organisation und auf mich alleine gestellt. Irgendwie würde ich mich da dann durchkämpfen, unvergessliches Erleben und freier wie nie zu vor sein.

Dieses Auslandsjahr war damit also mein Grund mit dem Bloggen anzufangen. Ich wollte Freunde und Familie auf dem Laufenden halten und andere Mädchen im meinen Alter dazu ermutigen sich ebenfalls ins Abenteuer zu stürzen.

So hielt ich an dem 5. Juli fest. Der Tag, an dem die Schule endgültig vorbei sein würde. Doch nicht nur würde ab da mein Leben interessant genug sein, um über es zu berichten, sondern ich würde auch nicht mehr in einer Kleinstadt leben. Denn zwar hat dieses kleine Städtchen Charme und bietet eine geschützte Umgebung, um aufzuwachsen, doch dennoch lässt sie immer noch genügend Raum für Klatsch und Tratsch. Alle kennen sich, mehr oder weniger, über die verschiedenen Schulen hinweg und da sonst nicht allzu viel in einer Kleinstadt passiert, wird natürlich übereinander geredet. Ich hatte also Angst, dass über mich geredet werden würde. „Die, die sich für so wichtig nimmt, eine eigene Internetseite haben zu müssen.“

Damit wären wir bei der zweiten Frage, die mich beschäftigte: Darf ich mir das Recht nehmen, über meine Gedanken und Gefühle zu schreiben?

Halte ich mich für wichtig genug?

Die klare Antwort darauf lautet Nein. Das halte ich mich nicht. Sonst gäbe es diesen Blog vielleicht schon längst. Denn diese Unsicherheit, dass ich nicht besonders genug bin, hielt mich auf. Genauso wie die Angst, dass Leute über mich reden und das Selbe denken würden.

Doch ab dem 5. Juli an würde ich mir diese Berechtigung verdienen.

Kommt alles Anders als du denkst …

Wie du sicherlich schon bemerkt hast, ist heute nicht der 5. Juli. Ich werde auch kein Auslandsjahr machen. Jetzt fragst du dich bestimmt: Was hat sich geändert? Woher nehme ich mir jetzt auf einmal die Berechtigung zu bloggen?

Zunächst einmal hatte ich meinen Traum vom Auslandsjahr. Mit dem habe ich mich gefühlt, dass ganze letzte halbe Jahr lang beschäftigt. Ich bin ein Mensch, der Dinge geplant haben will, musst du wissen. Zwar träumte ich von meiner Freiheit. Doch den Weg dorthin, wollte ich soweit es geht bis ins letzte Detail organisieren. So kenne ich mittlerweile bestimmt jede Internetseite, die es zum Thema „Work and Travel“ gibt. Doch ich konnte recherchieren so viel ich wollte, die Reise ergab sich mir einfach nicht. So dachte ich, zur aller größten Not würde ich halt doch gleich Anfangen zu studieren. Denn auf das Studium freute ich mich beinahe so sehr wie auf das Auslandsjahr. Doch Anfangen zu studieren, konnte ich auch immer noch. Aber die Chance aus seiner Komfort Zone auszubrechen und einen Grund für diesen Blog zu haben? Blieb nach, wie vor Ziel Nr. 1. Deshalb hielt ich bis zuletzt daran fest, dass sich die Dinge schon fügen würden. Und ja sie haben sich gefügt.

Nur ganz anders als erwartet. Denn ein Virus Namens Corona kam um die Ecke und machte mit seiner Infektionswelle all meine Zukunftspläne zunichte. Denn auch wenn meine Zukunft nach dem Abitur noch unsicher war, hatte ich doch eine feste Vorstellung von der Zeit bis zum 5. Juli.

Ich würde nach den Osterferien meine Mottowoche haben, dann meine Prüfungen schreiben und schließlich in der Zeit bis zum Abiball Arbeiten und zu einem Festival fahren.

Doch jetzt sitze ich seit mehreren Wochen zu Hause, unsicher ob ich jemals wieder Unterricht haben werde, oder überhaupt Prüfungen schreiben kann. Die Grenzen sind geschlossen und das kulturelle Leben auf ein Minimum zurückgefahren. Mein Auslandsjahr erscheint mir mittlerweile unmöglich geworden zu sein, wo ich doch erst einmal darauf Hoffen muss, überhaupt meinen Abschluss machen zu können.

Das Ende oder der Anfang?

Damit ist mein Grund zerstört. Doch meinen Traum habe ich immer noch und mittlerweile kommt es mir wie eine Ausrede vor, einen Grund zu brauchen, um das zu tun, was ich wirklich will.

Ich will schreiben und sollte das nicht erst einmal reichen? Alles Andere wird sich finden. Ich bin bereit mich der Herausforderung zu stellen. Auch ohne einen besonderen Grund zum Schreiben zu haben. Aber vor allem will ich mir nicht von meiner Unsicherheit meinen Traum nehmen lassen.

Vielleicht wird der Traum sich nach ein paar Einträgen auflösen. Vielleicht wird über mich geredet werden und ich habe nichts Interessantes zu sagen.

Doch was, wenn das der Anfang von etwas Großen ist? Was die Zukunft mit sich bringen wird, weiß schließlich keiner, wie sehr man auch versucht sie zu planen. Das beweist diese Pandemie nur allzu deutlich. Worauf also warten?

So werde ich jetzt anfangen zu bloggen. Genau jetzt. Egal, was passieren wird, es kann mich nur weiterbringen.

 

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