Bedeutung analoge Fotografie
Analog,  Fotografie

Die Bedeutung von Fotografie

Warum digitale Fotos kaum noch einen persönlichen Wert haben und wie man wieder bedeutsame Bilder machen kann.

Vor ein paar Jahren habe ich eine Spiegelreflexkamera zu Weihnachten geschenkt bekommen. Wie unglaublich ich mich darüber gefreut habe! Sie war von da an mein wertvollster Besitz und ist es eigentlich auch heute noch. Ich muss eigentlich sagen, da sich in der zwischen Zeit so einiges verändert hat. Denn heute ist die Spiegelreflexkamera nicht länger das „Must Have“ um in die Fotografie einzusteigen. Viel mehr ersetzt die Handykamera mittlerweile, die teure, große und schwere Kamera. (Oder sollte ich sagen die Handykameras?) Schließlich bleibt letztendlich aber die Anzahl der Megapixel bei beiden Kameras die Gleiche. Warum sich dann überhaupt noch eine extra Kamera kaufen? Allein dies scheint keinen ersichtlichen Nutzen mehr zu erfüllen. Genauso wenig wie die aufgenommenen Bilder. Denn dadurch, dass das Aufnehmen eines Bildes so einfach geworden ist, gibt es kaum noch einen Moment der verschont bleibt und die Fotos überfordern einen nur noch in ihrer Masse. Die Einzigartigkeit eines Fotos ist wohl mit der digitalen Fotografie verloren gegangen.

Warum Fotografie ihrer Wert verloren hat
1. Einfach alles muss festgehalten werden

Die Bahnfahrt, die Langeweile bei der Arbeit, der Familienspaziergang am Sonntag. Nimm ruhig mal dein Handy in die Hand und öffne die Galerie. Ich bin mir sicher, du findest zu jeder beschriebenen Situation mindestens ein Bild. Das Fotos mittlerweile so einfach gemacht werden können, ist wahnsinnig bereichernd, aber verleitet auch dazu die unnötigsten Dinge aufzunehmen. Haben ist besser als brauchen, richtig? Und das digitale Bild kostet keinen Cent.

2. Ein Foto reicht lange nicht aus

Bleiben wir bei dem Familienspaziergang am Sonntag. Zum Abschluss muss ein Gruppenbild gemacht werden. Entschuldigung, ich meine natürlich Gruppenbilder. Denn im Normalfall bleibt es nicht bei einem Foto. Es werden so viele gemacht bis auch wirklich jeder mit seinem Gesichtsausdruck zufrieden ist.

3. Veröffentlichen und Teilen

Nachdem das Foto gemacht wurde, muss es gleich präsentiert und geteilt werden. Ob auf Instagramm, im WhatsApp Status oder in der Familiengruppe. Hast du das Bild eigentlich für dich oder für die Anderen gemacht?

4. Clouds

Eine weitere Falle, die die moderne Fotografie stellt, ist das Fotos ein digitales Medium bleiben.  Bis sie schließlich in vollen Clouds für so große Überforderung sorgen, dass das einzelne Foto unter den Tausend anderen, dann endgültig seinen Wert verliert. Wie voll ist dein Speicher? Wie viele tausend Fotos hast du gespeichert, aber nie wieder angeschaut? Die Wenigsten machen sich wohl heutzutage noch die Mühe nach einem Urlaub, die gemachten Bilder zu sortieren, zu entwickeln und in einem Album auf zu bewahren. Warum auch? Es reicht ja, wenn Bilder den Handyspeicher belegen. Warum dann auch noch das Bücherregal?

5. Das Sekundenbild

Da der Handyspeicher eh schon voll ist, können wir froh sein, dass es Apps wie Snapchat gibt. Bilder werden gemacht, an Freunde geschickt und direkt wieder gelöscht. Ein Bild wird also geschossen, um eh wieder in Vergessenheit zu geraten. Ist das nicht der letzte Warnhinweis, der uns zeigen sollte, wie wertvoll uns heute noch ein einziges Bild ist?

Fassen wir also noch einmal zusammen. Fotografie übernimmt vorwiegend nur noch folgende Aufgaben: Das Verstopfen von Clouds durch ihre unübersichtliche Menge und das Einfangen eines Moments, um ihn daraufhin wieder zu löschen. Aber Fotografie muss doch noch einen Wert besitzen, sonst würde nicht jeder Tausende von Bildern jedes Jahr aufnehmen. Natürlich stellen Fotos auch ein praktisches Mittel dar, um sich den Alltag zu erleichtern. Zum Beispiel um Arbeitsblätter oder andere Informationen schnell weiterleiten zu können. Doch diese „Mittel zum Zweck Bilder“ zähle ich gar nicht unter Fotografie. Fotografie sollte eine Geschichte erzählen, die Wort nicht erfassen können, ein bestimmtes Gefühl beschreiben oder eine wichtige Erinnerung festhalten. Das ist bedeutsame Fotografie. Doch wie schaffen wir es zwischen alle den „Mittel zum Zweck Bildern“ auch noch bedeutsame Fotos zu schießen? Mit der digitalen Kamera scheinen wir es nicht länger zu schaffen. Meine Antwort lautet: auf analoge Fotografie zurückzugehen. Denn sie gibt alle Komponenten vor, die nötig sind, um ein bedeutsames Foto zu machen.

Wie man ein bedeutsames Foto macht
1. Manuell Fotografieren

Fotografie ist mehr als den Automatikmodus zu bedienen. Vielmehr ist es gewinnbringend sich mit den Grundlagen und Funktionen einer Kamera auseinander zu setzen. Nur so kann man das volle Potential eines Bildes ausschöpfen. Um die Grundlagen aber wahrlich zu verinnerlichen, ist es hilfreich analog zu fotografieren. Denn diese Kameras machen es unmöglich wieder in den Automatikmodus zurück zu rutschen. Schärfe, Blende, Zeit. Alles liegt in deiner Hand.

2. Die bewusste Entscheidung

Genauso wie du jetzt selbst die Kamera einstellst, nimmst du die Kamera auch bewusst in die Hand. Du legst den Film ein, du lädst die Kamera und du löst aus! Dies alles kann gar nicht mehr willkürlich geschehen.

3. Einzigartigkeit

Damit hast du dann ein einzigartiges Bild erschaffen. Dieses basiert auf einen besonderen Moment, der dir wichtig genug erschien, um die Kamera in die Hand zu nehmen.

4. Keine Wiederholungen

Und es wird bei der einzigen Momentaufnahme bleiben, denn analoge Fotografie lässt keine Wiederholungen zu. Keine Tausend Bilder bis jeder mit sich zufrieden ist. Der Film legt die Anzahl der möglichen Wiederholungen fest und diese ist so beschränkt, dass man sich mit einem Bild zufrieden gibt.

5. Ein Bild für dich

Das Bild hast du an erster Stelle für dich geschossen. Dir war es wichtig, dass der Moment in seiner Einzigartigkeit eingefangen wird. Das Bild wird auch bis zum Moment der Entwicklung nicht einsehbar sein können. Man muss warten bis der Film voll ist, sodass sich das Foto auch nicht direkt teilen oder veröffentlichen lässt. Es bleibt also vorerst nur dir vorbehalten.

Probiere es selber aus!

Diese fünf Punkte machen für mich die analoge Fotografie zu etwas ganz Besonderen. Seit ich angefangen habe, analog zu fotografieren, hat sich mir die Bedeutsamkeit eines Fotos wieder erschlossen. Denn ein gutes Bild definiert sich nicht durch eine teure, moderne Kamera oder durch die Anzahl der Megapixel. Viel mehr ist der Moment entscheidend, wegen dem man ein Bild aufnimmt, sodass man es kaum erwarten kann, den Film zu entwickeln. Die Bilder dann in der Hand zu halten, weckt in mir so tiefe Freude und Nostalgie wie ich sie sonst nie wahrgenommen habe.

So hoffe ich, dass ich dir den wahren Wert von Fotografie durch diese Punkte näherbringen konnte. Du musst dir natürlich jetzt nicht gleich eine Analogkamera anschaffen. Es kann schon bereichernd sein, sich den Vorgang des Fotografierens wieder bewusster zu machen. Aber wenn du jetzt auf den Geschmack von analoger Fotografie gekommen bist, dann kann ich dir versprechen, dass sie dir bedeutsame Fotos und ganz viel Freude schenken wird – Anders als die unzähligen digitalen Bilder in deiner Cloud. Und wer die Kunst der analogen Fotografie beherrscht, ist auch auf dem richtigen Weg hervorragende digitale Bilder zu schießen!

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