Leipzig Straßenbahn
Teatalk

Ahnungslose Abenteuer im Erstsemester – Teil 1

Kalte Heizungen, unauffindbare Platznummern und Straßenbahnausfall

In die erste eigene Wohnung in eine fremde Stadt zu ziehen, in der man niemanden kennt, versprach von Anfang an nicht einfach zu werden. Und doch war es mein fester Entschluss gewesen, für mein Studium meine Heimat zu verlassen. Aufregung, Vorfreude, aber auch Nächte voller Zweifel trieben mich bis zum Tag des Umzugs.

Und dann nach wochenlangem Kopfzerbrechen, wie es denn wohl werden würde, stand ich in meiner ersten eigenen Wohnung in Leipzig und winkte meiner Familie zum Abschied zu. Voller Ideen im Kopf konnte ich es kaum erwarten, in meiner ersten Woche in Leipzig die Stadt zu entdecken.

Nur waren all diese Pläne in der Realität schwieriger umzusetzen, als gedacht und meine Ahnungslosigkeit brachte mich schon bald zum Verzweifeln.

Kalte Wohnung

Nichts dergleichen ahnte ich jedoch am Anfang der Woche. So drehte ich voller Vorfreude auf die Woche in meiner Wohnung die Heizung hoch, um es mir erstmal gemütlich zu machen. Nur um später festzustellen, dass sie nicht im Geringsten warm wurde. Damit war die erste Person, die ich in Leipzig kennenlernen durfte – der Hausmeister.

Doch nichts konnte meine Motivation so schnell stoppen. Auch nicht die Tatsache, dass ich überall, nur ausgerechnet in meiner Wohnung nicht, Netz hatte. Der WLAN-Anschluss war schon in Auftrag gegeben wurden und in der Zwischenzeit würde das Internet in der Uni Bibliothek als Überbrückung ausreichen müssen.

Endlich in die wunderschöne Bibliotheca Alberina gehen zu dürfen, darauf hatte ich mich eh schon mit am meisten gefreut. Um dort aber auch Arbeiten zu dürfen, musste man sich im Voraus einen Sitzplatz reservieren und bekam dann die dazugehörige Platznummer zugewiesen.

Verzweifelte Suche in der Bibliothek

Albertina Bibliotheca Leipzig
Eingang der Bibliotheca Albertina

So brach ich am nächsten Morgen gleich zur Bibliothek auf. Nachdem ich mich erst an der falschen Haltestelle angestellt hatte, fand ich schließlich doch noch den Weg mit der Straßenbahn in die Innenstadt. Nach Eintreten in die Bibliothek zeigten mir erst ein paar Schilder den Weg zum richtigen Platz. Doch nachdem ich in einem großen Saal landete, war es dann mit der Orientierung vorbei.

Schließlich fand ich durch die Hilfe einer Bibliothekarin über eine versteckte Wendeltreppe in den richtigen Gang. Doch den richtigen Platz, fand ich auch nach mehrmaligen auf und ab gehen nicht. Fast alle Plätze waren soweit besetzt und in der Bibliothek herrschte eine Stille, die einem kaum erlaubte, zu atmen. So war es mir mehr als unangenehm, diese Atmosphäre durch mein verzweifeltes Gesuche zu stören.

Deshalb gab ich auf und setzte mich auf irgendeinen Platz, der noch frei war, in der Hoffnung, dass niemand kommen würde, der ihn reserviert hatte. Zum Glück blieb mir zumindest diese Peinlichkeit erspart und so konnte ich an meinem Laptop ein paar Dinge erledigen, bevor ich wieder zurück zur Haltestelle lief.

Somit erwies sich mein erster Ausflug nur teilweise als Erfolg, aber immerhin wusste ich nun, wie ich mit der Straßenbahn in das Zentrum fahren musste.

Klapprige Straßenbahnen

Doch die Straßenbahnen in Leipzig waren mir, auch nach meiner ersten Fahrt, immer noch ein bisschen suspekt. Mit ihrem altmodischen Flair sind sie laut und ratternd kaum zu überhören, wenn sie sich einmal annähern. Von Zuhause war ich Zug Lärm gewohnt, nur war der tatsächlich leiser, als der den die Straßenbahn vor mir machte. Aber schließlich war ich letzendlich auf die Bahn angewiesen.

Nur wurde ich in meinem Misstrauen bestätigt, als meine Bahn bei dem Versuch anzufahren kläglich absoff und prompt alle Lichter ausgingen. Nach wiederholten Neustarts, kam schließlich ein Bahnarbeiter in unseren Wagon und scheuchte mich von meinem Platz hoch, da natürlich unter genau meinem Platz die Elektrik lag.

Es half alles nichts, die Bahn wollte einfach nicht mehr anspringen und so ging ich zusammen mit allen anderen Fahrgästen wieder zurück auf den Bahnsteig, ohne auch nur einen Meter vorangekommen zu sein. Schließlich fuhr unsere Straßenbahn mit angeschalteter Warnblinkanlage langsam davon und ich stieg in eine der schon wartenden nachfolgenden Bahnen ein und kam doch noch sicher zu Hause an.

Was für ein erster Tag

Mit der Bahn hatte ich mich nach wie vor nicht angefreundet und auch die Sitzplatzsuche in der Bibliothek war ein einziger Krampf gewesen. Ich hatte das Gefühl, dass mir meine Verlorenheit in dieser neuen Stadt mit großen Buchstaben auf das Gesicht geschrieben stand, egal wo ich auch hinging. Ich hatte mir diesen Neuanfang doch ein wenig einfacher vorgestellt.

Für die nächsten Tage hatte ich mich für eine Bibliotheks- und eine Campusführung angemeldet und da würde bestimmt nicht allzu viel schieflaufen können, oder?

Oh, wie ahnungslos ich auch da noch war…

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